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The Markets: Aktueller Bericht vom 27.10.1998, 08.45 Uhr



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Elliot-Wellen, Chartanalyse, Astrologie, Fundamentals: Was geschieht, wenn "Crash-Gurus" warnen?

Auf den ersten Blick klingt es plausibel: Die Gefahren für die Finanzmärkte weltweit sind noch nicht gebannt. Hohe Verschuldung von Staaten und Unternehmen, Geldvergabe nach zu "weichen" Kriterien, Überspekulation mangels Anlagealternativen, Inflation der Vermögenswerte. So baut sich eine Spekulationsblase auf, die platzen kann.

In derartiger Situation haben Crash-Analysen Hochkonjunktur. Aus der Sicht der "Wellenzähler" und "Sternengucker" deutet scheinbar alles darauf hin, daß wir in den nächsten Tagen einen weltweiten Börsencrash bekommen.

Die Verbreitung solcher Analysen wurde in diesem Jahr auch von der Wirtschaftspresse aufgenommen. So berichtete u.a. die WIRTSCHAFTSWOCHE (Verlagsgruppe Handelsblatt) in Nr. 39/1998, 17.09.1998, über die "Macht der Sterne". Das Feature hatte zwar einen unverkennbar ironischen Unterton. Aber immerhin wurde auch Arch Crawford zitiert, der einen astrologischen Börsenbrief mit anerkannt hoher Trefferquote herausgibt. Auch im Internet tummeln sich zur Zeit etliche Börsendienste mit einer "Bärenstimmung".

So schaut ein beträchtlicher Teil der Finanzwelt in Erwartung fallender Notierungen auf die kommenden Wochen. Die Frage ist: Orientieren sich auch ENTSCHEIDUNGSTRÄGER an derartigen Analysen? Zählt der nach außen hin sehr nüchtern wirkende Alan Greenspan heimlich selbst seine Zins- und Börsenwellen oder hat sogar astrologische Berater?

Richten er und andere wichtige Finanzmanager in aller Welt ihre Strategien an derartigen Konstellationen aus? Vielleicht haben sie Wege gefunden, wie doch noch die Welt vor einem Finanzkollaps gerettet werden kann. Mit seinen Beratern und hochkarätigen Kontakten hätte Greenspan wahrscheinlich die Möglichkeit dazu.

Wenn die Mehrheit an der Börse etwas erwartet, geschieht mit einer Zeitverzögerung regelmäßig genau das Gegenteil. Wenn "Crash-Wissen" zum Allgemeingut wird, dürfte es keinen Zusammenbruch mehr geben.

Was nur durch langjährige Beobachtung der Entscheidungsträger (diejenigen, die die Märkte bewegen) herauszufinden ist, können wir an dieser Stelle nicht klären: die tatsächliche Verbreitung und Wertigkeit von astrologischen Analysen, Elliot-Wellen und anderen "Alternativ-Systemen", die scheinbar regelmäßig zu ähnlichen Ergebnissen kommen.


Seit fast zwei Wochen ist die Crash-Hysterie verflogen. Die Märkte konnten sich stabilisieren und Aktienindizes steigen. Die "Crash-Analysten" zweifeln: Haben wir uns geirrt?

Die Optimisten gewinnen überhand. Europäische Staatslenker treffen sich und "leisten" es sich dabei, keine Entscheidungen zu treffen. Denn sie haben die Situation im Griff: Die Märkte bekommen die wohlschmeckende Medizin "fallende Zinsen" verordnet und schon ist die "Konjunkturdelle" überwunden.

Die Börsianer reagieren sofort: Das ist das Zeichen für den Einstieg. Der DAX klettert. Rekordumtauschquote bei Daimler/Crysler, SAP und VW melden Gewinn- und Umsatzzuwächse. Man muß eben kaufen, wenn die Stimmung am schlechtesten ist. Die Mehrheit liegt immer daneben. Jetzt sind wir alle Optimistisch!

Schaut her: Alle Anderen kaufen jetzt auch. Der Zug rollt an. Wir müssen jetzt unbedingt noch schnell aufspringen, damit wir den nächsten Aufwärtstrend nicht verpassen. Aber was ist das: Kaum noch Sitzplätze frei? Sind doch tatsächlich die meisten schon früher eingestiegen. Egal, wir reisen auch ohne Sitzplatz. Hauptsache, wir sind dabei. Selbst wenn wir stehen müssen.

Endlich ein Bahnhof: Einige steigen aus und machen die Sitze frei. Jetzt haben wir Platz. Richtig bequem. Ein Nickerchen wäre schön. Kostolany empfiehlt: Schlaftablette. Am Rande bekommen wir mit, daß der Zug aus Sicherheitsgründen umgelenkt werden muß. Aha! Der Zugfüherer hat wieder einmal alles im Griff. Im Halbschlaf bekommen wir gerade noch mit, wie der Zug eine leichte Neigung bekommt, was uns noch gemütlicher in Schlafposition bringt.

Eine leichte Talfahrt beginnt, aber der Zug hält noch einmal am letzten Bahnhof. Routinierte Reisende steigen aus, denn Ihnen ist die Umleitung und die neue Strecke nicht ganz geheuer. Außerdem ist der Party-Lärm der gerade zugestiegenen Reisegesellschaft unerträglich.

Jetzt rollt der Zug wieder. Die Talfahrt beschleunigt sich und an Bord sind jetzt nur noch die Party-Gäste und tief schlafende Reisende ...




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